Verdi 14.02.08

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14. Februar: Tag des zweiten Standbeins für NDR-Freie

NDR-Freie machen am Valentinstag Druck für bessere Beschäftigungsbedingungen

Aktionstag für unbefristete Beschäftigung

 

(Hamburg, 13. Februar 2008) Donnerstag, der 14. Februar 2008, wird einbesonderer Tag. Er wurde von der Initiative "Freie im Norden" zum Aktionstag erklärt. Freie MitarbeiterInnen werden ihrer Forderung Nachdruck verleihen, ohne Befristung beschäftigt zu werden.

Beim Fernsehen in Lokstedt müssen viele Sendungen ganz ohne die Arbeitskraft freier MitarbeiterInnen klarkommen. Bei Zapp, extra 3, Menschen und Schlagzeilen, Panorama, Markt und ARD-Zulieferung beteiligen sich die Freien voraussichtlich geschlossen am Aktionstag. Auch bei DAS, beim Kulturjournal und beim Hamburg Journal werden viele fehlen, ebenso im Hörfunk bei NDR Info, NDR 90,3 und NDR 2. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein werden ebenfalls viele Freie nicht im Sender sein. In Hannover und in den niedersächsischen Studios werden sich etwa 100 KollegInnen der Aktion anschließen.

Die Beschäftigungspolitik des NDR widerspricht dem Programmauftrag einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. In den vergangen 15 Jahren wurden - trotz Ausweitung des Programms - 15 Prozent der Stellen abgebaut und stattdessen unsichere und prekäre Beschäftigungsverhältnisse geschaffen. Programmqualität wurde vernachlässigt. Die Quote wurde zum bestimmenden Maßstab. Allein die ungesicherten Arbeitsverhältnisse im Programm (Freie Mitarbeiter mit "Rahmenvertrag") haben von 1996 bis 2007 um fast 80 Prozent zugenommen, aktuell werden 75 Prozent aller Redakteursstellen durch freie MitarbeiterInnen unter vergleichsweise schlechteren Bedingungen (Bezahlung, Arbeitszeit, etc.) ersetzt.

Offenkundig strukturiert der NDR Arbeit vor allem aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen um. So spart er Kosten für Gehälter, Sozialversicherung, Steuern, Arbeitsplatzausstattung und Altersversorgung. Willkommener Nebeneffekt: Die Belegschaft wird gespalten. Nicht nur in Feste und Freie mit scheinbar unterschiedlicher Interessenlage: Auch das System sogenannter freier Beschäftigung basiert auf extremer Differenzierung und Konkurrenz. Tausende Freie MitarbeiterInnen arbeiten inzwischen unter diesen Verhältnissen für den NDR: Jederzeit austauschbar, ohne langfristige Perspektive.

Ver.di nimmt diese Entwicklung mit Sorge zur Kenntnis. Gegen Fälle unzulässiger Umwandlung von fester Arbeit in freie Mitarbeit oder Scheinselbständigkeit wird ver.di weiterhin gemeinsam mit ihren Personalräten vorgehen. Außerdem setzt sich ver.di in allen Tarifverhandlungen schon immer dafür ein, dass freie Mitarbeit finanziell und sozial gut ausgestattet wird: Es darf kein wirtschaftlicher Vorteil sein, reguläre Arbeitsverhältnisse durch unverbindliche, jederzeit zu beendende Arbeit zu ersetzen.

Ein Schritt auf diesem Weg ist die Abkehr von der gegenwärtigen unternehmenspolitischen Linie, freie Mitarbeiter nach wenigen Jahren auf die Straße zu setzen – unbesehen ihrer fachlichen Kompetenz und Qualität, ihrer bisherigen Verdienste für den NDR, ihres sozialen Hintergrunds. Aktionen, die den NDR zu einer Umkehr zu bewegen sollen, hält ver.di deshalb für richtig und erforderlich.
Ver.di verlangt vom NDR eine Beendigung des unsinnigen und unsozialen Heuerns und Feuerns und ein Zeichen guten Willens: Die Aussetzung der ausgesprochenen und anstehenden Beschäftigungssperren für freie Mitarbeiter. Ver.di besteht damit auf Erfüllung des im Jahre 1996 geschlossenen Tarifvertrags, der verbindlich festschreibt, "auf organisatorische Regelungen zur Begrenzung der Beschäftigung programmgestaltender freier Mitarbeiter, insbesondere auf die gegenwärtig praktizierte Limitierung, zukünftig zu verzichten". Diese Zukunft ist nun angekommen!

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